Theresa Werner

Industrial Design

 
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Mikroagressionen

Wir alle sind rassistisch sozialisiert – Struktureller Rassismus ist historisch bedingt tief in unseren gesellschaftlichen Strukturen verankert. Es ist wichtig anzuerkennen, dass wir mit hoher Wahrscheinlichkeit rassistische Verhaltensweisen an den Tag legen. Ziel ist es diese bewusst zu erkennen, um sie anschließend zu verhindern und aktiv anti-rassistisch zu handeln. Rassismus kennt viele Erscheinungsformen. Gesellschaftlich nicht akzeptierter Rassismus umfasst z. B. die NPD, Neonazis, Hakenkreuze und offen rassistische Äußerungen wie das N-Wort. Jedoch existieren zahlreiche Formen von gesellschaftlich akzeptiertem Rassismus: rassistische Kostüme, kulturelle Aneignung, struktureller und systemischer Rassismus, Racial Profiling, vornehmlich eurozentrische Perspektiven in den Medien, eurozentristische Schönheitsideale, Aufteilungen in „gute“ und schlechte „Fremdsprachen“ etc. Eine weitere Form von gesellschaftlich akzeptiertem Rassismus sind sog. Mikroaggressionen. Fragen und Kommentare die oft ungewollt Vorurteile gegenüber einer Person einer marginalisierten Gruppe ausdrücken. „Woher kommst du wirklich?“, „Kannst du Sonnenbrand bekommen?“, „Du spricht aber gut Deutsch“. Auf den ersten Blick erscheinen diese Äußerungen vermeintlich harmlos, die Intention des Fragenden ist es vermutlich nicht die Person rassistisch zu beleidigen. Bei der befragten Person haben diese Kommentare jedoch oft eine gänzlich andere Wirkung. Die Autorin Tupoka Ogette vergleicht Mikroagressionen mit Mückenstichen – ein oder zwei Stiche mögen störend sein, sind aber auszuhalten. Wird man aber jeden Tag von zahllosen Mücken gestochen, ist dies nicht nur kraftraubend, sondern auch mit einem hohen Leidensdruck verbunden. Mit meiner Postkartenreihe möchte ich dafür sensibilisieren, die Auswirkung der eigenen Worte und Äußerungen in den Fokus zu nehmen – Impact over Intention – wie kommt das Gesagte bei meinem Gegenüber an? Mikroaggressionen verletzen, sie können dazu führen, dass sich eine Person ihrer Individualität beraubt fühlt und die Verantwortung spürt, für eine ganze Gruppe sprechen zu müssen. Auch positiv rassistische Äußerungen wie „du spricht aber gut Deutsch!“ führen oftmals dazu, dass sich die betroffene Person ausgegrenzt und nicht zugehörig fühlt – Stichwort „Othering“. Verwenden wir also unsere Worte mit Bedacht: Impact over Intention, Listening over Silencing, Communicating over Assuming.