Ogan Tatlici

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Alltag

 Faruk trifft sich samstags immer mit seinen Freunden auf dem Hof.

Dabei ist Jamaal, seine Familie ist aus Togo schon vor Jahrzehnten hergekommen. Murat und Burak, zwei Brüder dessen Eltern Türken sind. Und Leyla, eine Libanesin die den Jungs beim Fußballspielen und in der Schule um Längen voraus ist.

Faruk hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Seine Eltern haben sich getrennt. Sein Vater hat ihn und seine beiden Schwestern in die Türkei entführt und dann kam da noch der Sorgerechts Kampf zwischen seiner Mutter und seinem Vater.

Aber das ist für ihn schon wieder halb so wild. Er ist wieder zu Hause bei seinen Freunden und seiner Mutter. 

Sie wohnen alle in Berlin Charlottenburg – aber nicht das schicke Charlottenburg an der Kantstraße oder am Ku’damm.

Sie wohnen an der Spree. Um genau zu sein am Iburger Ufer 3-6. Ein Häuserblock. 

Hier ist es auch schön. 

Sie gehen sogar gemeinsam auf eine Schule. 

Die beiden Brüder haben einen Altersunterschied von einem Jahr, deshalb ist nur Burak in Faruks Klasse und Murat eine darunter. 

Jamaal und Leyla sind in der Klasse 3b. Faruk und Burak sind in der Klasse 3a.

Sie haben auch noch andere Freunde in der Klasse, die sind aber irgendwie anders. Faruk ist zwar nicht der beste in der Klasse, aber einige Dinge fallen ihm auf.

Nach dem Vortrag über Eisbären hat Frau Dietrich nur seine Aussprache gelobt und nicht Jakobs auch.

Komisch.

Außerdem glaubt er, dass Burak in Lisa verknallt ist, denn die beiden sitzen nebeneinander und tuscheln die ganze Zeit. Frau Lütger, die Klassenlehrerin, ermahnt aber immer nur Burak obwohl Lisa ihn doch die ganze Zeit anspricht.

Komisch.

Beim Brennball spielen im Sportunterricht fällt Faruk noch etwas auf. Herr Schmitzdorf sucht immer zwei Schüler aus, die die Teams wählen dürfen. Er war noch nie derjenige, der wählen durfte und was noch dazu kommt ist, dass er und Burak immer erst am Schluss gewählt werden.

Komisch.

Nach der Schule treffen sich die fünf Freunde um nachhause zu laufen. 

Der Weg ist glücklicherweise nicht so weit, aber Faruks Mutter hat mit den Eltern der anderen gesprochen und sie sind zu dem Schluss gekommen, dass die Kinder immer nur zusammen nach Hause laufen dürfen und nie allein.

Auf dem Heimweg treffen sie auf Abdul aus der 3c, der auf der anderen Straßenseite mit seinem halb umgeworfenem, viel zu großen Schulranzen, gesenktem Kopf und Tränen in den Augen nach Hause läuft.

Leyla fragt was mit ihm passiert ist.

Daraufhin fahren drei Mitschüler von Faruk an ihnen vorbei und rufen:

„ABDUL KLAPPSTUHL ABDUL KLAPPSTUHL.“