Nele Düll

Kommunikationsdesign

 
Postkarte 01_Nele DÅll-1.png

Wörter am rechten Platz

Der Mord an George Floyd war der letzte große Vorfall, der sich auf Grund von strukturellem
Rassismus ereignete. Aber wir müssen gar nicht nach Amerika gucken, um zu sehen wie sich
tiefsitzender Rassismus in unserer Gesellschaft ausdrückt. Halle, Harnau, NSU 2.0 – alles
passierte innerhalb eines Jahres. Und dazu kommt noch so viel mehr, vieles als „harmlos“
abgeschrieben, nicht weiter verfolgt und von den großen Fluten des Weltgeschehens
verschluckt.
» Wie Mückenstiche« beschreibt Alice Hasters, Autorin des Buches »Was weiße Menschen
nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten«, ihre alltäglichen rassistischen
Erfahrungen; Verhaltensweisen die sich über viele Jahrhunderte festgesetzt haben,
festgehalten durch Worte, ausgedrückt durch Worte. Das es einen zunehmenden Rechtsruck
und auch Druck gibt leugnen glaube ich wenige, dass alltäglicher Rassismus existiert und
genauso bekämpft werden muss wie Rechtsextremismus ist schon weniger klar.
In meiner Postkartenserie möchte ich auf die weiterhin bestehende weiße Norm aufmerksam
machen und darauf in welcher Verantwortung wir stehen.
Die Karten bauen aufeinander auf, schichten sich übereinander und können so auch als ein
großes ganzes verstanden werden. Das transparente Papier macht zum einen den Aufbau
möglich, soll symbolisch aber auch für eine Unsichtbarkeit stehen – ein nicht gesehen und
nicht gehört werden.
Die Idee der Überlegenheit einer bestimmten Menschengruppe gab es schon weit aus früher.
Im 18 Jahrhundert jedoch wurde eine neue Ideologie in Worte gequetscht, eine Ideologie die
auf Unterschiedlichkeit aufbaut anstatt Gemeinsamkeiten zu fördern. 1775 stellte Blumenbach
die Rassentheorie auf und teilte die Menschen in fünf Rassen ein.
Auf meiner ersten Postkarte sind fünf wirre Knäule zu sehen, die die Vollkommenheit des
Kreises nicht ganz erfüllen. Als größte Vollkommenheit beschreibt nämlich auch der Philosoph
Immanuel Kant, die »weiße Rasse«. Die Rassentheorie wird schnell zu einer Bestätigung und
Ausrede Jahrhunderten langen Sklavenhandels und Kolonialismus.
Sowohl die zweite als auch dritte Karte greifen die vermeintliche Andersartigkeit und das
Rausfallen auf.»Woher kommst du?« ist eine oft gestellte Frage und auch wenn sie häufig mit
guten Absichten gestellt wird, ist es eine Frage der Abgrenzung. Sie signalisiert:»Du siehst aus
als kommst du nicht von hier« - vielen wird dadurch ihre Heimat und Zugehörigkeit
abgeschrieben.
Die vierte Karte thematisiert die oben erwähnte Verantwortung. Ein Vertreter der Bundesregierung,
gab, zu den gestellten Reparationszahlungen Namibias, das Statement » Wir werden
mit substanziellen Summen unserer historischen Verantwortung gerecht!«. Doch wie sieht
historische Verantwortung aus? Reicht es »Entwicklungsgelder« abzutreten oder sollte sich
nicht schon in der Schule mit der Mitverantwortung an Völkermorden, Sklaverei und
Kolonialismus auseinandergesetzt werden?
Meine letzte Karte ist die letzte Schicht und benennt das Problem, auf das die Karten davor
hingeführt haben; Jahrhunderte langer Rassismus und Unterdrückung von Menschen, welcher
immer noch in unserem System verankert ist.