Christin Schalko 

Kommunikationdesign

 
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Das weiße Rauschen

Worte sind mächtig. Sie beeinflussen unser Denken und unser Handeln. Wir können nur über Dinge nachdenken, die wir auch in Worte fassen können, greifen können. Dennoch gibt immer wieder Inhalte, die wir benennen können, die unser Verstand fassen kann und über die wir dennoch nicht nachdenken wollen oder können. Themen, die unser Bewusstsein streifen und die uns von Plakaten anglotzen, die in Gesprächen mit Freunden, auf Demonstrationen und im Social-Media-Feed ausgesprochen werden. 
(Struktureller) Rassismus in Deutschland ist ein Problem. Und dennoch ist das Handlungsspektrum von vielen Weißen Personen, die mit diesem Thema in Kontakt kommen und sich damit beschäftigen, abgesehen von Betroffenheit, überschaubar. Auch eine konkrete Auseinandersetzung mit den eigenen Privilegien bleibt oft aus. 
In der Arbeit „Das Weiße Rauschen“ formuliere ich (zugespitzt) die inneren Gedanken einer Weißen Person, die im Privaten mit scheinbar banalen, rassistischen Situationen konfrontiert wird. Dabei versuche ich, schonungslos das zu formulieren, was sonst nur ein kurzes heißes Gefühl unter der Haut bleibt und dann schnell durch die eigenen Verdrängungsmechanismen von einem warmen Rauschen im Kopf umspült wird: das Privileg, sich aussuchen zu können, ob man sich mit Rassismus auseinandersetzen möchte oder eben nicht, da man selbst nie Opfer rassistischer Gewalt werden kann. 
Formuliert sind die Aussagen als schmerzliche Konfrontation mit der eigenen Bequemlichkeit, sich in Alltagssituationen gern aus der Affäre zu ziehen. Dinge zu denken, die, wenn sie so aufgeschrieben vor einem stehen, mehr als schwer zu verkraften sind. 
Adressiert werden hierbei (gebildete) Weiße Personen, die sich plötzlich mit Aussagen konfrontieren müssen, die sie vielleicht klischeehaft BILD-Zeitungslesern zuordnen würden, nicht jedoch der eigenen links-freundlichen Bubble oder - noch schlimmer - sich selbst. Diese Assoziation soll durch das Zitieren der Typografie meinungsbildender, reißerischer Tageszeitungen erzeugt werden. 
Diese zusätzliche Verdichtung des Schmerzhaften Gewahr werdens darüber, dass man auch nur eins der vielen trägen Teilchen in einem System ist, das sich durch die Unreflektiertheit Weißer Menschen immer wieder selbst reproduziert und die das Problem auf Poc und BPoc abwälzen, soll zu einem solchen Unwohlsein führen, dass das Ignorieren der eigenen Macht und Privilegien zumindest für eine paar Sekunden oder Minuten unmöglich macht. Es soll helfen, das eigenen Weiße Schweigen als gewaltvoll zu verstehen. 
Genauso aggressiv sollen die Aussagen das formulieren, was Weiße Personen Schwarzen Personen antun, indem sie Schweigen. Denn Rassismus - auch in der dargestellten Form - ist ein Gewaltakt. White Silence is Violence!