Annabelle Ahnert

Kommunikationsdesign

 
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Moralische Klausur

Seit die AfD 2013 die politische Bühne betreten hat, hat sie sich stets einem diskriminierendem und nicht selten rechtsradikalem Sprachgebrauch bedient. Die Partei hat es geschafft die sprachlichen Grenzen von dem, was den politischen Diskurs unterstützt und dem, was puren Hass verbreitet zu verwischen. Längst überholte Worte wurden wieder salonfähig, absolut kritisch zu sehende Aussagen für die politischen Anhänger völlig normal. Nach so vielen Jahren Populismus und öffentlicher Diskriminierung fällt mir auf, dass man selbst immer weniger Empörung verspürt. Als sei die eigene Emotionalität langsam abgestumpft, weil so viel erschreckendes schon passiert und gesagt wurde und die eigene Stimme müde wird, um gegen Rechtsradikale und deren Gefolge noch weiter zu argumentieren. Die Worte wirken nicht mehr und verlieren ihre Bedeutung. Sowohl die gehörten, als auch die gesprochenen. Oft hatte ich das Bedürfnis diesen fehlgeleiteten oder schlichtweg überzeugten Menschen aufzuzeigen, welche Bedeutung die Worte derer haben, denen sie bei Kundgebungen zujubeln, für die Lösung ihrer Lebensumstände halten und schließlich auch ihr Kreuzchen im Wahllokal geben. Manchmal fühlt es sich so an, als würden viele Anhänger die Worte nicht verstehen und vor allem nicht mehr emotional verknüpfen. Man möchte sie schütteln und fragen, ob dieser Satz oder diese Aussage in genau diesem Kontext für sie als Wähler und Unterstützer akzeptabel sind oder irgendwas in ihnen auslöst. In meiner Postkartenserie werden Zitate von Afd Abgeordneten und Parteimitgliedern unter die moralische Lupe genommen. Wie in einer Art „moralischen Klausur“ werden diskriminierende oder antidemokratische Worte rot unterstrichen und die Definition als Korrektur drunter geschrieben, sodass der Inhalt und die Bedeutung klarer wird.
Ziel ist es ein emotionales Band zwischen dem Wort und dem Kontext zu spannen und an den inneren Gefühlskompass zu appelieren. Worte wie „Gesindel“ oder „Entsorgung“ mit Menschen in einen Kontext zu bringen ist der Grundstein für Entmenschlichung jeglicher Art. Dies wieder als empörend und schlichtweg inakzeptabel anzuerkennen würde wahrscheinlich einiges dazu beitragen Rechtspopulismus zu bekämpfen. Deshalb ist es wichtig sich immer wieder absolut bewusst über Worte und ihrer Bedeutung zu werden, seien es Fremde oder unsere eigenen.