Postkartenserie zur Wahrnehmung und Kommunikation von Worten 
und deren Macht in Zeiten von Populismus und „Rechtsruck“

2. Semester, Studiengang Industriedesign und Kommunikationsdesign, HTW Berlin

Betreut von Prof. P. Celik

Video von Diyar Akar

Seebach, Thüringen 2.6.18 Konferenzsaal:
Die blau-roten Farben der Partei schmücken das Rednerpult. Die Parteiplakate hängen verteilt im ganzen Raum. Ein alter Mann mit Tweed- Sakko und grüner Krawatte tritt zum Mikrophon. Er ist sich bewusst und sicher, was er sagen wird, „nur ein Vogelschiss…“.
Wir schreiben das Jahr 2020 in einer technisch hochgerüsteten Gesellschaft. In den vergangenen Monaten haben nicht nur eine Pandemie, sondern auch brutale, menschenverachtende Ereignisse unseren Alltag zerrüttet: Rassistische Übergriffe, homophobe Anfeindungen, antidemokratische Übergriffe einzelner Länder prägen den Alltag vieler Menschen und doch gehen sie verloren in den Fluten des rasenden Weltgeschehens. 
Mit Aussagen wie, „Du sprichst aber gut deutsch.“ „Und woher kommst du eigentlich genau?“ werden täglich Menschen aus unterschiedlichen Gründen oder ohne Nachdenken bedrängt, verletzt und ausgegrenzt . 
Durch das individuelle Umfeld und die Erfahrungen bildet sich ein innerer Kompass, der beeinflusst, wie wir Menschen bewerten undinterpretieren. So bilden Menschen Einstellungen über eigene und fremde Gruppen aus kognitiver Vorstellung, emotionaler Reaktion und Handlungsposition. Es entstehen innere Bilder und Stereotypen. 
Durch die Komplexität der sozialen Umwelt muss das Wahrnehmungssystem früh eine Auswahl aus allen eintreffenden Reizen treffen. Diese Selektion entnimmt nur die Informationen, die einem als wichtig erscheinen. Die Infos werden zur besseren Orientierung schnell eingeordnet. Doch die Selektion führt nicht zur Einordnung, sondern auch zur Abgrenzung, es ist keine Charakterisierung, sondern eine (stereo-) Typisierung. 
Dies können und dürfen wir nicht hinnehmen! Seit 2019 ist die Generation Z immer lauter in der Öffentlichkeit geworden und hat sich gegen die bestehenden Ungerechtigkeiten und Fehlverhalten der Politik aufgelehnt. Es ist wichtig, dass unsere Stimmen nicht müde werden, gegen Diskriminierung, Rassismus und Ausgrenzung jeglicher Form, aufzustehen und zu handeln.
Es ist absolut notwendig, sich immer wieder bewusst über die eigenen Worte und deren Bedeutung zu werden. Viel zu schnell werden Menschen aufgrund ihrer Erscheinung kategorisiert. Wir müssen stärker gegen die Verrohrung der Sprache und zwischenmenschlichen Umgang einschreiten!
In der gestalterischen Auseinandersetzung mit der Macht von Worten und Alltagsrassimus haben die Studierenden des 2. Semesters im Sommer 2020 Postkarten entworfen, die die Wahrnehmung von rassistischen Übergriffen verdeutlichen, um auf Alltagsdiskriminierung, sprachliche Anfeindungen aufmerksam zu machen und wieder eine Sensibilisierung des Sprachgebrauchs herzuleiten.
Mit ihren Postkarten beziehen die Studierenden Position für mehr Diversität und einen offenen Diskurs - Designers for Diversity!